Donnerstag, 1. Oktober 2009

Berührt

Gerade eben hatte ich beim Einsortieren eines Buches in unser Bücherregal "etwas" in die Hand genommen.
Dieses "Etwas" ist ein kleines Gebet-und Andachtsbuch, welches ich durch Zufall im Elsass auf einem Flohmarkt in die Hand bekam und für 50 Cent erwarb. Wie und auf welchem Wege es in diese Gegend kam weiss ich nicht.
Es hat mich schon damals sehr berührt und immer wenn ich es in die Hand nehme muss ich daran denken, dass es lange Zeit eine große Bedeutung für die dazugehörige Person hatte und natürlich wie mit all den Dingen aus alter Zeit schon viel "erlebt" hat.
Wie oft wird der Besitzer, ein katholischer Geistlicher, mit seinen Händen über das Kreuz auf dem Einband gefahren sein?
Die Seiten sind vergilbt, sie fühle sich so ganz anders an wie das heutige Papier.
Zudem befinden sich wunderschönen kleine Malereien darin.
Wie oft wird er bei der Morgenandacht, die heute nur noch von ein paar älteren Menschen besucht wird, diese Seiten gelesen haben?
"Betet ohne Unterlaß" - Ich bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen und war bis zu einer bestimmten Zeit in meiner Jugend oft in der Kirche, ich habe mich viel mit dem Glauben der katholischen Kirche auseinandergesetzt und habe bis heute eine zwiespältige Meinung dazu.
Ich muss aber sagen, dass mich Kirchen als Rückzugsorte für meine Gedanken und stille Gebete seit jeher anziehen. Ich glaube manchmal, dass uns diese Orte in der hektischen, reizüberfluteten und schnelllebigen Zeit fehlen. Mein Vater hatte immer sehr bedauert, dass die Messen, bei denen der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde den Gottesdienst (und das noch in Lateinisch) abhielt, irgendwann "abgeschafft" wurden. Ich konnte ihn so gut verstehen.
Höhenentlang
Der Tag verraucht,
Über die Felder
Die Sehnsucht haucht:

Steigt aus dem Dämmer
Dort nicht der Pfad,
Auf dem die Stille
Des Abends naht?

Ein erster Stern
Im weiten Kreise.
Engel der Ruhe
Singen leise:

"Mach auf dein Herz,
Schließ zu dein Haus,
Dann ruht die Stille
Bei dir aus."

Habt ein ruhevolles Wochenende.
LG
Akaleia



Kommentare:

  1. Soll ich dir was sagen, Akalaia? Ich war grad auch sehr berührt - von dir!

    AL

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  2. Liebe Akalkeia,
    du hast eine Seite von dir geöffnet, die ich noch gar nicht kannte.
    Deine A.

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  3. Liebe Birgit,
    diesmal eine persönliche Anrede, ich bin sicher, dass Du mit diesem Post nicht nur mich berührt hast - die Gedanken sind voller Hoffnung und das Gedicht ist wunderbar und so feinfühlig. Ja - wer als Kind - so wie ich katholisch erzogen wurde - nicht nur im Elternhaus - auch in der Schule - Gymnasium bei Nonnen - der wird diese Wurzeln immer spüren und vor allen Dingen sehr wach aufhorchen, welche Stellungnahme diese Kirche in der heutigen Zeit zu wichtigen Fragen und Problemen bezieht. Aber das Urvertrauen ist geblieben und so ein Andachtsbuch ist sicher voller tiefer und gläubiger - ja sicher auch kindlicher Momente für den, der es in die Hand nimmt und nachliest im Gedenken an die, denen es ganz sicher Kraft und Stärke vermittelt hat. Ein sehr schöner Post. Gerade jetzt auch für Aikos Frauchen.
    LG
    Annemarie

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  4. Hallo Birgit, deine Gedanken über das Büchlein finde ich sehr feinfühlig und offen. Es sind genau die Dinge die du ansprichst, die dem heutigen Menschen fehlen, die Stille finden in einer hektischen Welt. Ich gehöre in die Adventgemeinde, falls es dir was sagt, dort gehe ich regelmäßig zum Gottesdienst, jede Woche. Dort finde ich Gleichgesinnte mit denen ich mich austausche und das tut gut.
    Ein schönes, besinnliches Wochende
    wünscht dir Edith
    P.S. Flohmarkt im Elsass, da war ich auch schon oft und habe auch viele dieser Andachtsbücher gefunden und darin gelesen.

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  5. Liebe Birgit,
    ich schließe mich an - auch mich hat dein Post sehr berührt - dein Post, das wunderschöne Gebetbuch, deine Bilder, deine Gedanken (die ich teile), das Gedicht mit dem tiefen Sinn -
    ich danke dir fürs "Näherkommen".
    Ich wünsche dir ein friedvolles Wochenende - mit lieben Grüßen - Ruth

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  6. Liebe Akaleia,
    vielen Dank für die kurze "Reise" in die Stille. Ein schöner Post, der mich zum Nachdenken angeregt hat.
    LG Gartenliesel

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  7. Liebe Birgit,
    das hast du sehr schön geschrieben und nun haben mich deine Zeilen ebenfalls berührt. Ich habe so ein altes Büchlein von meiner Mutter (Jahrgang 1911) und den Eintragungen ist zu entnehmen, dass sie es noch von ihrer Mutter hatte (also 1890 vielleicht). Ich nehme es auch immer mal wieder gerne in die Hand, weil diese Dinge so etwas ganz Anderes ausstrahlen als die Massenware unserer Zeit.
    Herzliche Grüße
    Elke
    http://mainzauber.de/gartenblog

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  8. Ein feinsinniger Beitrag von dir, liebe Birgit, der mir auch sehr nahegeht, war ich doch bis vor einigen Wochen noch selbst in und für die Kirche (beruflich) tätig...allerdings in der evangelisch-reformierten Kirche.
    Liebe Grüsse,
    Barbara

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