Freitag, 17. Januar 2014

Verwehrt

Was ist Heimat?
Diese Fragen haben sich bestimmt schon Millionen von Menschen vor mir gestellt, mich beschäftigt sie aber schon stark in der letzten Zeit.
Warum stellt sich bei mir nicht das Gefühl  "-hier bin ich richtig , hier bin ich zu Hause, da sind meine Wurzeln"....ein, nur auf Grund meiner etwas komplizierteren Familiengeschichte?
Wird es mir immer verwehrt bleiben?
Ich habe doch die Lebensmitte (die, von der jeder spricht - ob es meine sein wird, steht in den Sternen  :) längst überschritten. Bin da aber immer noch am Suchen.
Adoption -  ein Teil der eigentlichen Familie überm großen Teich, ein Teil ganz in der Nähe, ein Teil unbekannt (leider, leider)- wiederum der "nicht genetische" Teil mit Wurzeln hier, aber fast schon "ausgestorben".
Mein (Adoptiv)Mütterchen (ist 88 Jahre alt geworden) möchte in ihrem Haus sterben - das ist ihr Zuhause, da lebte sie nun über 78 Jahre, es hat ihr Papa gebaut. Ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen das mal sagen zu können, egal, wo ich bis dahin lebe.

Können wir, die Generation der Globetrotter, die "es kost ja nix sich ins Flugzeug zu setzen", "ein Kurzurlaub ist doch fast immer drin" -"mobil sein ist alles", nicht nur im Alltag auf Grund des technischen Fortschrittes - auch arbeitsmäßig - es wird dem Menschen abverlangt, ob er es möchte oder nicht, können wir überhaupt so etwas wie Heimat empfinden?
Was schaffen wir denn auf Grund unserer politischen Regeln, Verhaltensweisen für die nächste(n) Generation(n) - Globalisiert-Entwurzelte? Stetig Suchende nach immer mehr Kicks und dafür immer weniger Erdung?
Tja, wie ist das mit dem Heimatsgefühl, kann man das erlernen, oder ist es uns tief angeboren - finden wir einen Teil unserer Familiengeschichte darin wieder - oder hängt es auch damit zusammen, das wir immer weniger naturverbundener sind und "erdferner" werden?
So viele Fragen und bisher noch nicht alle Antworten (jedenfalls für mich, die sich noch nicht mal einer Nation zugehörig fühlt (als Halb-Engländerin und Halb-Österreicherin) und dennoch die Deutsche Staatsbürgerschaft hat).
Und obwohl das richtig schräg ist: In Frankreich fühle ich mich am wohlsten  :)  :)

Gelesen habe ich vor kurzem gerade Jokehnen von Arno Surminski
(Ein Teil meiner Wurzeln kommen aus dieser Ecke der Erzählung)
Tief berührt hat  mich dieses Buch  - der Verlust der Heimat  und überhaupt was Heimat bedeuten kann- dieses Gefühl war mir noch nie vorher so versinnbildlicht geworden, wie in diesem Buch.
Und ich muss zugeben, ich habe damals die Verfilmung u.a. mit Armin Müller-Stahl auch nicht gesehen -leider - jetzt habe ich mir die DVD bestellt.

Fakt ist auch, je näher ich der Natur sein darf, je größer wird mein Zufriedenheits-Daheim-Gefühl.
Rückzug, Stille, Bescheidenheit, Einfachheit, Individualität, kein Verbiegen für das Umfeld und das Leben, leben nach der eigenen Facon...ja, das fällt mir alles "zu daheim sein" ein und das ist ja schon mal ein Anfang, oder?
Nächste Woche geht es für ein paar Tage in die "schöne Natur" - ins Allgäu, daher noch schnell ein paar Handstulpen genadelt - passend zu den letzten Socken.

In diesem Sinne habt einen guten Start ins Wochenende, trotz diesem riesigen, runden hellen Ding da am Himmel  :)  :)
Akaleia

Kommentare:

  1. Das ist eine schwierige Frage, denke ich. Und ich habe das Gefühl, die lässt sich nicht so einfach beantworten. Oder nicht generell. Ich spüre für mich, dass ich Heimat gefunden habe. Und obwohl ich es hier wunderbar finde und mich angekommen fühle, denke ich manchmal, ich könnte auch anderswo Heimat fühlen. Weil es für mich mit Menschen verbunden ist, ganz besonders mit meinem Mann. Wo er und die Kinder sind, da kommt dieses Gefühl auf, geborgen zu sein. Dieses Gefühl "hier gehöre ich hin". Die Art des Lebens, wie wir es momentan führen, fühlt sich auch gut an. Alles zusammen. Und doch glaube ich in meinem tiefsten Inneren, dass Heimat nicht so viel mit geografischen Orten zu tun hat (und für mich jedenfalls auch nichts mit Staatsbürgerschaften oder so), sondern vielleicht mehr mit dem Herzen. Und dem Finden von einem zweiten solchen, das mit einem gemeinsam schlägt (und in den Kindern dann weiter...).

    Ich stelle mir das mit Adoption schwierig vor. Es ist sicher nicht einfach, mit Ungewissheit zu leben, weil man das Gefühl hat, besser verstehen zu können, wenn man etwas wenigstens "weiß" oder "kennt"... so stelle ich es mir jedenfalls vor.

    Ich wünsch dir von Herzen, dass du gut nachspüren kannst, für wen und für was dein Herz schlägt. Vielleicht gibt dir das auch Heimat...
    alles Liebe!!!! maria

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    1. Liebe maria, danke dir fűr deine zeilen.
      Du hast schon recht...ein stűck daheim und auch heimat ist und bleibt die familie...die eigenen kinder, wenn einem das glűck dahingehend beschieden ist.
      Ich habe ja noch das große glűck gehabt einen teil meiner Familie froh kennenelernen zu dűrfen.
      HG auf den berg sendet dir
      birgit

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  2. Gerade wollte ich zu meinen dreien, da las ich deine Zeilen. Heimat kann auch ich, mit anderen Wurzeln, nicht wirklich mit einem Ort verbinden. Wenn meine Verwandten von Straßen und Personen erzählen, kann ich nur zuhören und bin außen vor. Als Kind zu klein, als Heranwachsende nicht lange genug an einem Ort (ja, auch wegen der Arbeitsstellen) und jetzt wieder als "Neue" in einem Dorf. Aber wie sagtest du: leben nach der eigenen Facon, mit Menschen, die mir sehr viel bedeuten, draußen, weit weg vom Lärm, dort fühle ich mich wohl und zuhause, ob irgendwo in Deutschland oder im hohen Norden. Wer weiß ...
    Nimm Grüße von Herzen mit auf deine Reise,
    Birgit

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  3. "Rückzug, Stille, Bescheidenheit, Einfachheit, Individualität, kein Verbiegen für das Umfeld und das Leben, leben nach der eigenen Facon...ja, das fällt mir alles "zu daheim sein" ein und das ist ja schon mal ein Anfang, oder?"

    liebe birgit, das ist auch ein stück heimat. und ein anfang. ja.
    heimat ist für mich da, wo mein herz glücklich ist. das ist hier, am meer, in meiner wahlheimat und dann auch dort, im wald, ein heimatlichen gefilden. vielleicht kann man heimat nicht immer mit einem ort benennen. aber vielleicht ist es dort, wo die sehnsucht nicht mehr brennt und man sich "richtig" fühlt.

    sei auf das allerherzlichste gegrüßt. und hab eine schöne zeit im allgäu.
    elvi

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  4. Liebe Akaleia. Ich kann gut nach empfinden, was du schreibst. Ich bin zwar nicht adoptiert worden, aber meine Eltern sind ausgewandert und ich bin in einem fremden Land aufgewachesen. Seit 20 Jahren bin ich "eingebürgert" und nun also auch Schweizerin. Ist die Schweiz meine Heimat? Oder Italien? Wenn man als Kind "entwurzelt" wird, dann ist es schwierig diese wieder zu finden. Für mich ist deshalb mein Haus so wichtig. Ich hatte keine Ruhe bis ich eins gekauft habe. Hier fühle ich mich wirklich zu Hause. Hier sind auch meine Wurzeln irgendwie. Hier zwischen meinen Sachen, meinen Erinnerungen. etc. Deshalb verreise ich nicht so gerne, und vor allem komme ich auch immer wieder gerne zurück. In mein Haus, das eigentlich irgendwo stehen könnte.... Aber ganz kohärent mit meiner Geschichte, steht es in der italienischen Schweiz....

    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
    Cinzia

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  5. Akalaia, ein wunderschöner Beitrag - ich verstehe genau was du meinst.
    Ein schönes Wochenende wünscht Al

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  6. Für mich wären die Umstände eigentlich mehr als klar ....
    Auch als " Ausgewanderte" weiß ich wo meine Wurzeln sind.
    ... und trotzdem bin ich immer wieder aufgefordert die Heimat in mir zu finden!
    Herzliche Grüsse und hab ganz feine Tage im Allgäu
    Big bisou Brigitte

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  7. Ein sehr nachdenklicher Post!!! Ich hoffe, dass Du irgendwann DEINE Heimat findest!!!
    Viele Grüße von
    Margit

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  8. Mir lief mal ein Satz über den Weg, dem ich immer wieder begegnet bin:
    Ubi bene, ibi patria - ich hab mir das so übersetzt: wo es gut ist (für mich) dort ist Vaterland. Und das was es (für mich) ausmacht, sind die mir wichtigen Beziehungen, deren Nähe ich vermissen würde. Ich wünsch Dir alles Gute und LG Michael

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    1. Dieser Satz gefällt mir gut, Michael !
      Das Leben ist schon eine interessante Reise - Hg Birgit

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  9. Einen tollen, nachdenklich machenden post hast du da geschrieben! Und ich würde dir ein "Familienstellen nach Hellinger" ans Herz legen; ich bin mir fast sicher, dass du da Antworten finden wirst. Von Bert Hellinger selbst gibt es auch Bücher zur einführung in das Thema Familienstellen und da kommt immer ganz klar heraus, dass Adoptionen mit vielen Problemen behaftet sind und jeder seine Wurzeln kennen muss.
    Ich wünsche dir, dass du Antworten findest!
    Herzlichst
    Ingrid

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  10. Danke für den Post und das Thema und den Lese-Tipp! Heimat , puh, was für ein großes Thema. Ich knabbere auch daran herum, und habe in diesem Zusammenhang mit Spannung eine Blogparade bei Katja Wenk gelesen. Bei Interesse einfach mal googlen, knapp 100 kleine Blogger-texte zu "eimat".

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  11. Ein Beitrag, über den es sich lohnt, lange nachzudenken!

    Heimat ist für mich persönlich da, wo meine Familie war und ist. Und wo ist meine Familie? Erst mal hier in Bayrisch-Schwaben, da lebt meine nächste Familie, aber auch in München, da lebt ein Sohn und ich habe weitere Familie dort. Nun kann ich weiter ausführen - meine größte Familie lebt auf Sizilien, dort fühle ich mich auch daheim und habe auch die italienische Staatsangehörigkeit. Dann habe ich noch Familie in Australien, eine ganz liebe Familie und dort bin ich jederzeit willkommen.

    Nun gut, Heimat ist für mich auch, wo ich aufgewachsen bin und wo mein Elternhaus steht, in dem ich immer noch wohne. Da gehe ich raus, laufe über die Feldwege in den nahen Wald und denke mir manchmal, ob jetzt dann bald das letzte Stückchen gnadenlos verbaut sein wird. Und dann hab ich auch irgendwie genug von "dieser" Heimat. Und trotzdem bin ich ziemlich geerdet hier.

    Lieben Gruß, Brigitte, die auch noch deine Bilder ganz schön findet und auch das Gestrickte.

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  12. Hallo liebe Birgit, Heimat - diese Gedanken umkreisen mich seitdem ich in das elterliche Haus gezogen bin - es ist schwer zu beschreiben. Meine Wurzeln sind alle hier und die Familie ganz in der Nähe - Verwandte noch immer in der Nachbarschaft - aber auch so wunderbare liebe echte Freunde in z.B. Canada. Sobald wir sie hören - sie umarmen können - ihre Wärme durch Briefe oder Mails spüren - dann sind wir wieder dort "daheim" - ein Teil der weit verteilten großen Familie. Jetzt wo Du so drüber schreibst, fallen mir so viele kleine Geschichten ein, die mir einerseits wehtun - aber auf der anderen Seiten immer noch in freudiger Erinnerung sind. Ich habe nie meinen leiblichen Vater kennengelernt - hatte aber den besten Zweivater der Welt - nur meine Sehnsucht - wenn ich sie so nennen darf - ist geblieben. Es gäbe soviel zu schreiben….ich bewundere Dich und Deinen großartigen Blick auch durch die Linse. Schön, dass Du ein paar Tage ausspannen kannst.
    Wuff und LG
    Aiko - aber besonders sein Frauchen Annemarie

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  13. Und... "an fremden Wassern weinen"von Arno Surminski...darin beschreibt er es auch...Deine beschriebenen Gefühle kann ich gut nachvollziehen.LGKatja

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    1. Liebe Katja, genau dieses Buch vin ihm habe ich die Tage gelesen - was ein wunderschönes Buch!

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  14. Ein nachdenklicher und sehr feinfühliger Post mit Fragen, die sich jeder Mensch sicher mal stellt und worauf viele wohl keine Antwort bekommen. Heimat für mich ist wohl da wo ich meine Lieben habe, wo ich mich "gut" und geerdet fühle. Das muss kein bestimmter Ort sein, ist aber im Moment da, wo ich lebe, wo mir alles vertraut und wertvoll ist und wohin ich immer wieder gerne zurückkehre und meine innere Ruhe finde. Du scheinst mir mit deiner Beschreibung und der Verwirklichung von ""Rückzug, Stille, Bescheidenheit, Einfachheit, Individualität, kein Verbiegen für das Umfeld und das Leben, leben nach der eigenen Facon...ja, das fällt mir alles "zu daheim sein" ein und das ist ja schon mal ein Anfang, oder?" schon einen ganz grossen Schritt in deiner Heimat angelangt zu sein.
    Danke für den vorgestellten Buchtitel, macht mich neugierig.
    Liebe Grüsse, Barbara

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  15. Ja, liebe Biggi, ich weiß genau, was Du meinst. Und Ähnliches verspüre ich auch, wenn ich unser Holz hacke oder säge. Ich muss zugeben, dabei fühle ich mich mittlerweile mehr „in der Heimat“, als (berufsbedingt) am PC bunte Sachen zu machen. Wo auch immer das in unserem gemeinsamen Lebensweg mal sein mag ;-)
    Dein Kräuterhase

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